Theater im FFT: Mutter oder Alpha-Mädchen

von STEPHANIE BECKER

Auf der Bühne ist eine riesiges Zelt aufgebaut. Vogelgezwitscher ist zu hören. Auf der linken Seite hängt ein goldenes Füllhorn von der Decke. Es ertönt der Song „Forever Young“ der Gruppe Alphaville. Neun Mädchen kommen aus dem Zelt gekrabbelt und versammeln sich um das angestrahlte und „singende“ Füllhorn. Leise summen sie die Melodie mit. Für immer jung sein? Will man das wirklich?

Ein stetes Messen und Strecken

Die neun Mädchen stellen sich an den Bühnenrand. Messen sich gegenseitig. Strecken sich in die Höhe. Eine möchte größer als die Andere sein. Auch das ist mit Jugend verbunden: der Wunsch danach, endlich erwachsen zu werden. Aber wann ist man erwachsen? Mit 18 Jahren? Wenn man die Periode bekommt? Wenn man Mama heißt? Oder etwa: Wenn man sich so fühlt? Diese und andere Fragen stellen sich die neun Mädchen im Alter zwischen 12 und 18 Jahren in der Produktion „My Way“.

Jetzt hatte das Tanz-Theater-Projekt unter der Regie von Marlin de Haan und der Choreografie von Gudrun Lange im Forum Freies Theater Premiere. Programm ist dabei der subjektive Blickwinkel der einzelnen Mädchen. Gemeinsam haben sie sich während der Proben Gedanken gemacht über Perspektiven, Zukunft, Wünsche und Ängste. Wo geht es lang? Die Mädchen kleben Pfeile an die Wände. Laufen gemeinsam in die angegebenen Richtungen. Einzelne versuchen eigene Wege zu finden. Lösen sich von der Gruppe, bleiben alleine zurück. Immer wieder erschallt das Lied „Forever Young“ wie ein Fluch. Es wird deutlich: Man kann und will nicht immer 17 sein.

Sie springen, hüpfen, streiten und kichern mit jugendlicher Leichtigkeit. Probieren sich aus im Spannungsfeld zwischen Mädchenhaftigkeit und Frau-Sein. Wehren sich gegen Klischees („Jugendliche tragen doch alle eine rosarote Brille“) und entdecken ihre Möglichkeiten („Ich werde Präsidentin“). Hin- und hergerissen bewegen sie sich zwischen den Polen: Mutter-Werden oder Karriere planen, ich oder wir, jetzt oder gleich.
De Haan und Lange schaffen es, die Ideen der Mädchen in treffende Bilder umzusetzen. Mit viel Witz und Gespür für Stimmungen entsteht so ein buntes und aktuelles Kaleidoskop über das Jungsein und Altwerden. Fernab von Diskussionen Erwachsener über Jugendliche kommen hier junge Menschen selbst zu Wort und zeigen: Macht euch keine Sorgen. Wir werden unseren eigenen Weg gehen.

Rheinische Post, 16.06.2007

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